Einmal im Jahr lassen wir Schüler:innen unsere Agentur testen. Was passiert ist, was wir gelernt haben — und warum wir Ausbildungsbetrieb der IHK Hamburg sind.
Einmal im Jahr machen wir bei PLAYGROUND etwas, das nichts mit Kundenbriefings, Reichweite oder Kampagnen zu tun hat. Und das gleichzeitig einer der wichtigsten Tage des Jahres für uns ist.
Am Girls' & Boys' Day 2026 hatten wir eine Gruppe Schüler:innen zu Besuch bei uns in Hamburg. Sechs Stunden Agentur-Alltag durch fünfzehnjährige Augen. Und am Ende des Tages waren wir es, die mehr gelernt haben.
Wir sind anerkannter Ausbildungsbetrieb der Industrie- und Handelskammer Hamburg. Das ist mehr als ein Schild an der Tür. Es bedeutet, dass wir uns verpflichten, junge Menschen ernsthaft auszubilden — nicht als billige Arbeitskraft, sondern als nächste Generation, die in unserem Beruf später Verantwortung übernehmen wird.
Warum wir das machen, ist einfach: Lilly und ich kennen beide den Moment, in dem man als Schüler:in zum ersten Mal in eine Agentur reingeht und nicht weiß, was man da gerade sieht. Wir hatten beide das Glück, an Tagen wie dem Girls' & Boys' Day teilzunehmen — und genau die Leute zu treffen, die uns gezeigt haben, dass Marketing kein Mythos ist, sondern ein Beruf, in den man wachsen kann.
Acht Schüler:innen, alle zwischen 14 und 16, alle aus verschiedenen Hamburger Schulen. Sie kamen morgens um neun, völlig unterschiedlich in der Stimmung — eine total aufgeregt, ein anderer eher zurückhaltend, eine dritte schon mit dem klaren Plan: „Ich will Influencerin werden, könnt ihr mir helfen?"
Wir haben den Tag bewusst nicht durchgetaktet wie einen Schulbesuch. Stattdessen: morgens eine Stunde unsere Welt zeigen — wer arbeitet hier, was machen wir eigentlich, wie sieht ein normaler Tag aus. Dann zwei Stunden Praxis: in Kleingruppen ein Reel-Konzept entwickeln für eine fiktive Marke. Nach dem Mittagessen ein Brand-Workshop: eine Marke positionieren in drei Sätzen, mit einem Mood-Board, ohne dass jemand vorher Marketing studiert hat.
Was rauskam, war überraschend. Nicht naive Erstversuche, sondern: erstaunlich klare Insights, kompromisslose Wahrheit über Marken, die Erwachsene aus Höflichkeit nicht aussprechen, und ein paar Reel-Ideen, die in unserem nächsten Brainstorming nicht schlechter aussehen würden.
Junge Menschen riechen Werbung sofort. Was sich für uns subtil anfühlt, ist für sie offensichtlich.
Vier Beobachtungen, die ich seitdem mit mir herumtrage.
Junge Menschen riechen Werbung sofort. Wenn wir Reels machen, die für Schüler:innen sofort als „bezahlte Inhalte" erkennbar sind, denken wir, wir hätten clever gearbeitet — und unterschätzen, dass die wichtigste Zielgruppe sie als Werbung enttarnt.
Authentizität ist kein Buzzword. Es ist Grundbedingung. Eine der Schülerinnen hat sich eine Marke angeschaut, die wir gerade betreuen, und in einem Satz gesagt: „Die wirken irgendwie wie eine Familie." Genau diesen Satz versuchen wir mit Brand-Faces-Programmen zu erzeugen — und sie spürt es nach 30 Sekunden Account-Durchscrollen.
Marken sind Menschen. Die Schüler:innen haben uns immer nach den Menschen hinter den Marken gefragt. Wer macht das? Wie ist der oder die? Würde ich mit dem/der mal kaffeetrinken gehen wollen? Das ist eine Frage, die in unseren Strategie-Meetings selten so direkt gestellt wird. Aber sie ist die ehrlichste Frage.
Geduld haben sie nicht, Tiefe schon. Wenn etwas in den ersten Sekunden nicht klar ist, scrollen sie weiter. Wenn etwas in den ersten Sekunden klar ist, schauen sie auch ein 90-Sekunden-Reel bis zum Ende. Das Klischee „die Aufmerksamkeitsspanne sinkt" ist falsch. Sie ist nicht gesunken. Sie ist nur ehrlicher geworden.
Für eine Marketingagentur ist der Girls' & Boys' Day mehr als nur Sozial-Beitrag. Es ist eine Realitätsprüfung.
Wir machen tagein, tagaus Inhalte für Zielgruppen, die wir selten persönlich treffen. Wir haben Daten, Personas, Workshop-Materialien. Aber wir haben kaum den Moment, in dem eine 15-Jährige mit drei Klicks durch unseren Content-Plan geht und sagt: „Das ist langweilig, das ist okay, das ist falsch." Diesen Moment einmal im Jahr zu erleben, korrigiert mehr als jede Strategie-Klausur.
Außerdem: wir sehen die Talente von morgen. Eine der Schüler:innen hat uns am Ende gefragt, ob sie nicht ein Praktikum machen könnte. Sie kommt im Sommer. Das ist nicht zufällig. Wir wissen jetzt, dass sie ein Auge für Marken hat. Und sie weiß jetzt, dass die Welt der Agenturen kein abgeschotteter Tempel ist.
Wenn ihr in der Schule seid oder überlegt, was nach dem Abi kommt, hier eine ehrliche Skizze, wie es bei uns aussieht.
Wir bilden in den Bereichen Mediengestaltung und Marketingkommunikation aus. Das offizielle IHK-Curriculum bekommt ihr — und dazu echte Projekte vom ersten Tag an. Keine reine Kopier-und-Kaffee-Phase. Wir glauben, dass man Marketing nur lernt, indem man es macht. Mit Verantwortung, mit Fehlern, mit echten Kunden.
Ein Praktikum (zwei bis acht Wochen) ist die Eintrittskarte. Schulische Pflichtpraktika nehmen wir gerne; freiwillige Schnuppertage sowieso. Schreibt uns einfach an, dann finden wir einen Slot.
Falls jemand das hier liest, der oder die eine Firma führt und sich fragt, ob das was für euch wäre — kurz und ehrlich: Ja, es macht Aufwand. Ja, es lohnt sich. Ja, ihr werdet mehr lernen, als ihr gebt. Die IHK Hamburg hat sehr klare und gute Unterstützungsangebote für Einsteiger:innen ins Ausbildungssystem. Greift drauf zurück. Wir helfen euch auch gern weiter, wenn ihr uns dazu fragt.
An die Schüler:innen, die diesen Tag mit uns verbracht haben: Ihr habt uns mehr gegeben, als ihr denkt. Ein bisschen weniger Selbstgewissheit. Ein bisschen mehr Demut vor den Menschen, für die wir das hier eigentlich machen. Ein paar Ideen, die wir vorher nicht hatten. Und einen sehr besonderen Tag.
Bis zum nächsten Girls' & Boys' Day. Wir sehen uns.
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