Vor zehn Jahren war Hotelmarketing einfach. Heute beginnt die Reise auf TikTok und endet als Erinnerungs-Story. Was Hotelmarken jetzt verstehen müssen.
Vor zehn Jahren war Hotelmarketing einfach: SEA, Booking.com, ein paar Trip-Advisor-Reviews. Heute beginnt die Reise auf TikTok und endet als Erinnerungs-Story. Was Hotelmarken 2026 verstehen müssen — und wo der alte Funnel tatsächlich kaputt ist.
Wir reden mit Hotellerie-Verantwortlichen quer durch Deutschland. Die meisten Häuser arbeiten noch mit dem Funnel von 2018: ein bisschen Google Ads, Buchungsbutton oben rechts auf der Website, Newsletter an Bestandskunden. Funktioniert. Reicht. Bringt Buchungen. Und übersieht, dass die Reise, an deren Ende eine Buchung steht, längst woanders begonnen hat.
Heute beginnt sie auf Instagram, TikTok, in einer Reisegruppe auf WhatsApp, in einer YouTube-Doku über eine bestimmte Stadt. Sie geht durch eine Phase, in der jemand abends im Bett scrollt und denkt: „Da will ich auch mal hin." Erst dann kommt Google. Erst dann kommt eure Website. Erst dann der Buchungsbutton.
Wer nur den letzten Schritt optimiert, fischt im Eimer, in den schon längst jemand anderes vor der Buchung hineingelangt hat.
Drei Beobachtungen, die wir bei der Arbeit mit Hotelmarken machen:
Inspiration läuft visuell. Wer noch keinen Ort kennt, sucht ihn nicht — er stolpert über ihn. Reels mit ehrlich gefilmten Suiten, Mitarbeiter-Portraits, Frühstücks-Atmosphäre wirken wesentlich stärker als 4K-Drohnenshots eures Pool-Decks. Authentizität schlägt Produktion.
Recherche läuft über DMs. Gäste schreiben euch direkt auf Instagram. Sie fragen nach Allergien, Hunden, Parkplätzen, Wellness-Slots. Wer schnell und persönlich antwortet, gewinnt die Buchung — bevor sie auf Booking.com landet. Genau dafür braucht es ein lebendiges Profil, nicht eine Visitenkarte.
Buchung läuft fragmentiert. Direkt vs. OTA (Booking, HRS, Expedia) ist kein Entweder-Oder mehr — es ist eine Kostenfrage. Jede direkte Buchung spart Provision (15–25 %). Aber direkt geht nur, wenn euer Profil und eure Website überzeugen, bevor die OTA in den Suchergebnissen auftaucht.
Eine direkte Buchung ist heute kein Glück mehr — sie ist das Ergebnis von monatelanger Markenarbeit, die niemand sieht.
Für die Lindner Hotel Group erzählen wir Aufenthalte als Erlebnis. Nicht das Zimmer steht im Vordergrund, sondern der Moment darin. Das Frühstück nach einem zu langen Abend. Das Spa nach einem zu vollen Tag. Das Dinner, das eine Reise erst rund macht.
Bewegtbild und Social Content, der zwischen Business, Genuss und Auszeit oszilliert — weil Lindner-Gäste eben nicht in eine Schublade passen. „Stay excited." ist nicht Marketing-Spruch, sondern Inhalt jeder Reel-Sekunde. Wir erzählen nicht das Hotel. Wir erzählen die Lust auf den nächsten Aufenthalt.
01 · Suite-Tour-Reels mit Person. Nicht die Zimmerführung des Marketing-Teams. Sondern eine Mitarbeiterin oder ein Gast, der einen ehrlichen Reel-Walk-Through macht. Das transportiert Atmosphäre, die kein Stock-Foto liefern kann.
02 · Mitarbeiter-Portraits. Die Concierge, die seit 12 Jahren das Haus kennt. Der Sommelier, der seine besten Empfehlungen verrät. Der Spa-Manager, der erklärt, warum er morgens in den Wald geht, bevor er die Gäste begrüßt. Das ist Hotellerie als Menschen-Geschichte. Genau das holt Buchungen.
03 · F&B-Foodporn mit Geschichte. Nicht das Carpaccio in 4K. Sondern: Wo kommt der Fisch her? Welche Familie liefert das Brot? Warum macht der Küchenchef diesen einen Klassiker auf seine Art? Wenn Gäste das verstehen, buchen sie Tisch und Zimmer im Paket.
04 · Event-Recaps in 60 Sekunden. Bankett, Hochzeit, Tagung — kompakt erzählt, mit Erlaubnis. Das ist gleichzeitig MICE-Sales, ohne dass es nach Verkauf aussieht. Eventplaner:innen entscheiden online.
05 · Saisonal-Konzepte als Story-Bogen. Vier Quartale, vier Themen, vier Content-Buckets. Statt jedes Reel neu zu erfinden, baut ihr eine Welt, in der eure Gäste sich wiederholt zurechtfinden.
Sechs Fragen, die ihr ehrlich für euer Haus beantworten könnt:
1. Wie viele Reels haben wir in den letzten 30 Tagen veröffentlicht? Antwort < 8 = ihr seid nicht präsent.
2. Wie schnell antworten wir auf Instagram-DMs? Antwort > 2 Stunden = ihr verliert Direktbuchungen.
3. Kann ein Gast auf der Mobile-Website in 3 Klicks buchen? Wenn nicht, geht er zu Booking.
4. Habt ihr einen Mitarbeiter-Content-Plan? Wenn nicht, lasst ihr eure stärkste Ressource liegen.
5. Wie viele Reviews bekommt ihr pro Monat? Wenn < 20, fehlt euch ein systematisches Review-Setup nach Check-out.
6. Wisst ihr, welcher Content auf Social die meisten direkten Buchungen erzeugt? Wenn nicht, optimiert ihr blind.
Drei konkrete erste Schritte, die jedes Haus ohne große Investition starten kann:
Schritt 1: Ein Mitarbeiter pro Schicht macht eine 60-Sekunden-Video-Aufnahme von „seinem" Moment im Hotel. Das kostet nichts, schafft pro Woche 7–10 authentische Clips.
Schritt 2: DM-Antwortzeit unter 30 Minuten als Ziel. Wer DMs übernimmt, bekommt klare Skripte für die häufigsten Fragen plus die Erlaubnis, persönlich zu antworten.
Schritt 3: Drei Reviews pro Tag systematisch einsammeln. QR-Code beim Check-out, automatische Mail 2 Tage nach Aufenthalt.
Mehr als das? Dann lasst uns reden. Wir haben für die Lindner Hotel Group, für mehrere Boutique-Häuser und für Hotellerie-affine Konzeptmarken aufgesetzt, was funktioniert. Und wir kommen gerne mit konkreten Ideen vorbei — nicht mit einem 80-Seiten-Strategie-PDF.
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